Turgenev Gesellschaft Deutschland
Förderkreis russisches Haus e.V. / Тургеневское общество Германии

Der Vortrag war voller Erfolg

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Der Vortrag war voller Erfolg

In luxuriösem Ambiente, dem Club Bernstein des Casino nämlich, fand am vergangenen Dienstag der monatliche Vortrag der Präsidentin der Turgenev-Gesellschaft Renate Effern statt. Passend zur Lokalität ging es dabei um den russischen Schriftsteller Fjodor Michajlovitsch Dostojevskij, der sich in ebendieser Spielbank beinahe vollends um Hab und Gut gebracht hatte; spielsüchtig müsste man ihn heute nennen.

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"Sein Leben ist ebenso außergewöhnlich sie sein Werk", so die Referentin. Nach Kindheit und Jugend in schwierigsten familiären Verhältnissen habe er über den Beruf eines technischen Zeichners schließlich zu seiner Berufung, der Literatur gefunden. Maßgeblich von Gogol beeinflusst sei seine Erstlingserzählung "Arme Leute" entstanden. Der schnelle Anfangsruhm sei ihm aber zu Kopf gestiegen. So habe er sich in den literarischen Kreisen von Sankt Petersburg gar lächerlich gemacht. Sein Antipode in Baden-Baden, Ivan Sergejevitsch Turgenev - konnte und wollte ihn wohl auch nicht verstehen, zu verschieden waren die Welten des Westlers und des Slavophilen, so Renate Effern weiter. Über seine im letzten Moment erfolgte Begnadigung nach einem Strafprozess, seine Zeit in Omsk und seine erste Reise im Jahr 1863 handelte der weitere Vortrag, wobei Effern auch auf das damalige Hotel "Paris", den heutigen Quellenhof zu sprechen kam. Des Dichters Roman "Der Spieler" sei nach dieser ersten Reise entstanden, "wobei die Chiffre Roulettenburg natürlich nur für Baden-Baden stehen kann." Die Romanszene in der Spielbank nahm in der Folge großen Raum ein. Dostjevskij musste seinen Roman 'Der Spieler' in einem Zeitraum vom nur drei Wochen verfassen. Mit Hilfe der jungen Stenotypistin Anna Grigor'evna Snitkina gelang es ihm - doch als er das Manuskript bei seinem Verleger abliefern wollte, ließ der sich verleugnen. So trug er es zur Polizei und ließt sich dort das genaue Datum bestätigen. 1867, im Jahr seines zweiten Besuches in der Kurstadt, kam der Dichter mit seiner zweiten Frau Anna Snitkina, seiner ehemaligen jungen Stenotypistin, hierher. Diesmal blieb er länger als einen Monat. Durch die stenographisch abgefassten Tagebücher Annas liege der Nachwelt eine einmaliges Dokument persönlicher Betroffenheit, aber auch der damaligen Geschehnisse in der inzwischen zur Sommerhauptstadt Europas avancierten Kurstadt vor. Trotz zunehmender Spielleidenschaft ihres Mannes habe Anna treu zu ihm gehalten. Daneben beschreibt sie wenig schmeichelhaft den Schillerstein oder Besuche des Alten wie Neuen Schlosses . Dostojevskij traf auch Turgenev, dem er riet sich ein Teleskop zu kaufen und es auf Russland zu richten. Turgenev antwortete kurz: er sei zum Deutschen geworden und er sei stolz darauf. Nach etwa 10 Jahren trafen sich Turgenev und Dostjevskij anlässlich der Eröffnung des Puschkin-Denkmals in Moskau. Beide verehrten Puschkin gleichermaßen. 'Es ist schade', so die Referentin zum Schluss, ' dass Puschkin nicht nach Baden-Baden kommen konnte! Vielleicht hätte er ein Gedicht über die Lichtentaler Allee gechrieben? Ins Casino wäre er auf jeden Fall auch gegangen. Denn auch er war ein leidenschaftlicher Spieler...