Turgenev Gesellschaft Deutschland
Förderkreis russisches Haus e.V. / Тургеневское общество Германии

Die russische Geschichte von Baden-Baden

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Die russische Geschichte von Baden-Baden

Im 19. Jahrhundert besuchten in manchen Jahren bis zu 5.000 russische Gäste Baden-Baden. Damals kamen sie mehrheitlich aus Sankt Petersburg. Bevor es Eisenbahnen gab, reisten sie sogar in Kutschen und waren dann etwa einen Monat unterwegs.

Durch die Eheschließung der badischen Prinzessin Luise mit Alexander, dem Enkel Zarin Katharinas II., bestand ein enger Kontakt zwischen dem großherzoglichen Haus Baden und dem Haus Romanov. Luise wurde orthodox getauft und bekam den Namen Elisabeth. Im Jahr 1801 wurde Alexander zum Zaren und Elisabeth zur Zarin von Russland gekrönt. Im Jahr 1814 kehrte Zarin Elisabeth in ihre Heimat zurück. Aus Baden-Baden schrieb sie an eine Freundin in Sankt-Petersburg: 'Ich bin hier gerade in einer der schönsten Städte der Welt.'

Die größte Gruppe der Besucher waren die Vertreter des unermesslich reichen Erbadels aus Sankt-Petersburg. Sie verbrachten oft die ganze Saison in Baden-Baden. Fürst Vladimir Menschikov war wohl der reichste unter ihnen. Er baute sich eine wunderschöne Villa, in deren riesigem Garten der es sogar eine Hunderennbahn gab. Er pflegte in seiner Schimmeltroika durch die Stadt zu fahren. Aber auch zwei Fürsten Gagarin besaßen große Anwesen. Ende des 19. Jahrhundert entstand - auch durch ihre finanzielle Unterstützung - eine russisch-orthodoxe Kirche in Baden-Baden.

Die wichtigsten Besucher waren jedoch die damals schon berühmten russischen Schriftsteller. Ivan S. Turgenevs 'Schlösschen' war in den 60iger Jahren des 19. Jahrhunderts das kulturelle Zentrum der Stadt. Der russische Europäer Turgenev beherrschte Deutsch und Französisch perfekt. Er hat der Stadt Baden-Baden mit seinem Roman 'Rauch' ein literarisches Denkmal gesetzt. Im Jahr 1867 begegnete er hier Fjodor M. Dostojevskij und Ivan A. Gontscharov. Dostojevskij hat sich zweimal - im Jahr 1863 und im Jahr 1867 - in Baden-Baden aufgehalten. Zwischen den Aufenthalten entstand sein Roman 'Der Spieler.' Auch Ivan A. Gontscharov kam allein wegen der Spielbank nach Baden-Baden, und auch er hatte, wie Dostojevskij, große Verluste zu beklagen. Kein anderer als Lev N. Tolstoj unterbrach sogar im Jahr 1857 eine Reise, um sein Glück in der Spielbank zu versuchen. Er verspielte sehr viel und musste sich Geld - auch von Turgenev - leihen. In seinem Roman 'Eheglück' beschreibt auch er Baden-Baden. Nikolaj V. Gogol hat die Stadt mehrfach besucht und Vasilij A. Shukovskij verbrachte seine letzten Lebensjahre in Baden-Baden. Er beschrieb die Stadt als 'paradiesisches Eckchen'. (rajskij ugolok / райский уголок)

Die Stadt Baden-Baden hat allen Besuchern viel zu verdanken: durch sie wurde Baden-Baden - nicht nur in Russland - zu einer sehr bekannten und beliebten Stadt in Deutschland.

Foto: Ein Stich aus dem Jahre 1859 zeigt die Konversationshalle von Baden Baden. 4teachers.de